Google-Optimierung: Website mobile-friendly machen

„Macht eure Seiten benutzerfreundlich für Mobilgeräte“ tönt es seit einigen Monaten verstärkt aus dem Googleschen Hauptquartier des Search-Quality-Teams. Mobile-friendly soll das Netz werden. Und Googles mobile Suche will dem Handy-Nutzer optimierte Ergebnisse liefern. Was hierfür im Sinne Googles nötig ist und wie Ihr die Tauglichkeit Eurer Webseiten für das angekündigte Mobile-Update überprüfen könnt, soll nachfolgend erläutert werden.

Google: „Bieten Sie Ihren Nutzern ein umfassendes mobiles Erlebnis“

Screenshot HandySuchmaschinenoptimierung bedeutet heutzutage vor allem eins: technische Optimierung im Sinne Googles und für Googles Suchergebnisseiten. Googles Macht im Suchmaschinenmarkt ermöglicht es dem Konzern, Maßstäbe zu setzen und Entwicklungen in gewünschte Bahnen zu lenken. Ein derzeit massiv gepushter Trend trägt das Label „mobile-friendly“, mit dem Google allen Webmastern zuruft: Optimiert Eure Webseiten für unsere mobile Suche.

Im November 2014 kündigte Google im Webmaster-Zentrale-Blog an, zukünftig Verweise auf Webseiten in den Suchergebnissen mit einem Positiv-Label zu versehen, falls sie für die Darstellung auf Mobilgeräten mit kleinem Display gut geeignet sind (und wenn die Ergebnisse über solch ein Mobiltelefon abgefragt werden – beim Googeln mittels eines Notebooks oder PCs werden diese Label nicht angezeigt; „Unterstützung bei der Suche nach Websites für Mobilgeräte“). Bereits durch diese Maßnahme war die Mobile-Freundlichkeit einer Webseite de facto zu einem Ranking-Faktor geworden, jedenfalls indirekt: Durch die vermehrte Anwahl der als benutzerfreundlich markierten Seiten dürften die anderen Seiten seitdem Besucherrückgänge zu verzeichnen haben.

Damit aber nicht genug, wurde Ende Februar 2015 die Handytauglichkeit offiziell zum Ranking-Kriterium ernannt und dessen weltweite Einführung zum 21.4.2015 festgelegt („Mehr für Mobilgeräte optimierte Suchergebnisse“). Die Auswirkungen könnten enorm sein, prophezeite Googles Trend-Analystin Zineb Ait Bahajji, um den Druck auf alle Webseitenbetreiber noch einmal zu erhöhen („‚Mobile-friendly‘-Rankingsignal wird weit höhere Effekte haben als Panda oder Penguin-Update“).

Welche Kriterien muss eine handyfreundliche Seite erfüllen?

Ungewöhnlich klar verkündete Google dieses Mobile-Update bereits im Vorfeld, und relativ genau sind auch die Anforderungen an Webseiten formuliert, die ab Mitte April 2015 in den Suchergebnissen für Mobilgeräte erscheinen möchten:

  1. Applikationen, die auf Mobilgeräten nicht funktionieren, müssen gemieden werden (als Beispiel wird Flash genannt, der Grund: Das zum Abspielen von Flash-Filmen nötige Browser-Plugin steht für die meisten Handy-Betriebssysteme nicht zur Verfügung).
  2. Texte müssen ohne Zoomen lesbar sein.
  3. Die Inhalte einer Webseite müssen sich an die zur Verfügung stehende Breite des Handydisplays anpassen, es darf also kein horizontaler Scrollbalken entstehen.
  4. Der Abstand zwischen anklickbaren Verweisen muss so groß sein, dass Fehlklicks vermieden werden können.

Wie lässt sich die Mobile-Friendliness überprüfen?

Wie üblich ergeben sich spätestens beim Optimieren einer Website in Richtung der von Google gewünschten Kriterien dann doch Detailfragen: Wie groß muss eine Schrifttype gesetzt sein, um in Googles Augen auf dem mobilen Display lesbar zu sein? Wie dick sind die Finger, die Google für die Abstandsmessung von Links zur Bemessungsgrundlage macht?

Antworten gibt die Suchmaschine in Form dreier Online-Tools:

  1. Der in den Webmaster-Tools eingebaute Bericht, der über die „Benutzerfreundlichkeit auf Mobilgerätenaller Seiten eines Webprojekts informiert
  2. Das Tool zum Testen einzelner Webseiten (Einzel-URLs bzw. Deep-Links) auf die mobile Benutzerfreundlichkeit
  3. Das Developer-Tool PageSpeed Insights, das neben der mobile-friendly-Prüfung von Einzelseiten auch detaillierte Auskunft über die Ladegeschwindigkeit und das diesbezügliche Optimierungspotential bietet

Zu 1: Mobile-Bericht in den Webmaster-Tools

Mobile-friendly-Bericht in den Webmaster-Tools
Alle Seiten von journalismus-plus.de bestehen den Mobile-Test. Was ist mit „alle Versionen Ihrer Website“ gemeint?
Den komfortabelsten Weg bieten die Webmaster-Tools (nun: „Search Console“), die unter dem Menüpunkt Suchanfragen -> Benutzerfreundlichkeit… alle Seiten mit Fehlern auflisten oder im günstigsten Fall ein projektweites OK geben. Ist letzteres der Fall, könnt Ihr Euch zurücklehnen und mit Freude das Mobile-Update genießen – negative Auswirkungen in Richtung Mobile-Ranking dürften für Eure Website insgesamt nicht zu befürchten sein. Im Gegenteil: Vermutlich gibt es Konkurrenten mit Seiten, die die Kriterien nicht erfüllen und daher möglicherweise vordere Plätze in den mobilen SERPs zu Euren Gunsten freigeben werden.

Sollten die Webmaster-Tools Seiten mit Fehlern anzeigen, ist zunächst einmal klar: Nicht das Website-Projekt insgesamt ist betroffen, sondern nur die in dem Bericht aufgelisteten Einzelseiten. Alle Seiten, die dort nicht erwähnt werden, sind für Google akzeptabel und gelten als mobile-tauglich, denn fest steht: Das Ranking-Signal wird für jede Seite einzeln erhoben (eine grandiose Rechenleistung der Maschine, mit der der Vorsprung zu den Suchmaschinen-Konkurrenten auf beeindruckende Weise demonstriert wird – Respekt!). Werden dann nur Seiten aufgelistet, die Ihr für unwichtig erachtet, könnt Ihr weiterhin entspannt bleiben. Warum Optimierungsarbeit für Teilbereiche des Projekts aufwenden, die eh keinen Hering vom Teller ziehen?

Fehleranzeige in Webmaster-Tools
Insgesamt zwei Seiten der Website weisen Probleme auf bezüglich des Mobile-Updates. Die Auflistung der Fehler ist anklickbar und führt zu Informationen über die betroffenen Webseiten und weiteren Erläuterungen. (Interessant: In obigem Beispiel werden zwei Seiten aufgeführt, die über die robots.txt für Crawler gesperrt sind. Das scheint den Googlebot aber nicht zu jucken).

Falls aber wichtige Einzelseiten betroffen sind und Eure Website nennenswerte Zugriffe über die mobile Google-Suche verzeichnet oder zukünftig erwarten kann, ist Suchmaschinenoptimierung in Richtung Usability für Handynutzer angesagt. Googles „Leitfaden für Mobilgeräte“ bietet Hilfestellung, insbesondere der Abschnitt „SEO für Mobilgeräte„.

Zu 2: Einfaches Test-Tool für Einzelseiten
Ähnliches gilt, falls Ihr die Webmaster-Tools nicht nutzen könnt und darum über den „Mobile-Friendly Test“ einzelne Seiten überprüft, sinnigerweise zunächst einmal die wichtigsten oder die für Handynutzer potentiell interessanten. Wenn das Tool mit „Awesome! This page is mobile-friendly“ antwortet, ist alles gut und Ihr könnt eine nächste Seite testen (Achtung: Das Programm ist offenbar manchmal überlastet. Werft auf jeden Fall einen Blick auf den unteren Bereich des Bildschirms. Wenn dort etwas von „a temporary error occurred“ steht, ist der Testdurchgang ungültig!). Sobald das Tool über irgendetwas meckert, gilt es auch hier abzuwägen: Lohnt der Optimierungsaufwand oder pfeife ich auf diese einzelne Seite?

Mobile-Test "Awesome"

Zu 3: Ampel-Bewertung in Googles PageSpeed Insights
Der dritte Service, den Google in Bezug zur mobilen Nutzerfreundlichkeit anbietet, nennt sich PageSpeed Insights. Dieses Tool liefert allerdings Testergebnisse zurück, die weit über die entscheidenden Ranking-Kriterien für das Mobile-Update hinausgehen. Hier werden auch Ladezeiten, Antwortzeiten des Servers, Request-Zählungen usw. bewertet – und zwar sowohl für mobile Displays als auch für große Bildschirme. Daher hier eine kurze Erläuterung bzw. Einschätzung:

  1. Googles PageSpeed Insights bietet zwei Registerreiter: Einen für „Mobil“ und einen für „Desktop“. Für das Mobile-Ranking ist allein der Bereich „Mobil“ interessant.
  2. Dieser Mobil-Bereich ist seinerseits zweigeteilt. Zum einen wird der „Speed“, also die Ladegeschwindigkeit einer Seite bewertet, zum anderen die „User Experience“ bzw. in der deutschsprachigen Variante die „Nutzererfahrung“. Für das Mobile-Ranking ab April 2015 ist ausschließlich die sog. Nutzererfahrung ausschlaggebend.
  3. Die Bewertungen werden hier nicht einfach in Form von Weiß („Awesome“) oder Schwarz (Optimierungsbedarf) zugerufen, sondern als Prozentwert auf der Basis von Hundert ausgegeben. Wenn also eine Webseite alle Kriterien fürs Mobile-Ranking auf die bestmögliche Weise erfüllt, erhält sie 100 von 100 möglichen Punkten für die Handy-Usability. Bei Mängeln werden einige Punkte abgezogen – und dann stellt sich die Frage: Wie viele Punkte sind nötig, um den Googlebot der mobilen Suche glücklich zu machen? Die Entwickler haben hier als Antwort offenbar eine Art Ampel-Bewertung implementiert: Solange die Punktezahl ausreichend ist, wird sie mit der Farbe Grün unterlegt, bei Gelb oder spätestens bei Rot gibt es Nachholbedarf. Oder anders herum: Solange die Punktezahl auf grünem Hintergrund erscheint, ist alles gut (dies ist meine persönliche Schlussfolgerung; es gibt allerdings auch abweichende Einschätzungen, zum Beispiel von Monika Thon-Soun auf texto.de).
PageSpeed Insights Mobile-Prüfung
Der Bereich „Nutzererfahrung“ ist für die Bewertung der Mobile-Friendliness des überprüften URLs zuständig. 92 von 100 möglichen Punkten stellen einen Anreiz dar, weiter zu optimieren. Fürs Mobile-Update im April nötig ist das aber nicht – die Bewertung steht auf Grün und entspricht der Meldung in Googles einfachem Testing-Tool: „Großartig! Diese Seite ist für Mobilgeräte optimiert.“

Empfehlung: Konzentriert Euch auf die mobile „Nutzerfreundlichkeit“ Eurer Seiten

Meiner Meinung nach sind für das mobile Ranking im Google-Universum die Meldungen in den Webmaster-Tools ausschlaggebend bzw. die Einzelergebnisse des über die Tool-Sammlung verlinkten und dadurch empfohlenen simplen Mobile-Tests relevant. Das weitergehende PageSpeed-Tool bietet eine zusätzliche und möglicherweise verwirrende Bewertungsskala, die vielleicht auf zukünftige Optimierungszwänge in Richtung Ladegeschwindigkeit hindeutet und zudem Anreize schafft, das Optimum aus den eigenen Seiten herauszukitzeln. Für die aktuelle Optimierungsnot in Richtung mobile Suche aber signalisiert es – in Kongruenz mit den beiden anderen Überprüfungsmöglichkeiten: Steht die „Nutzerfreundlichkeit“ auf Grün, ist für die nahe Zukunft Eurer Seiten im Netz alles gerichtet.

Und im Übrigen: Falls Ihr Euren Traffic über Bing, DuckDuckGo oder MetaGer bezieht oder auch über Social-Media-Kanäle oder Kommentare in anderen Blogs generiert, dann könnt Ihr schlicht und einfach auf obige Erläuterungen pfeifen! Sie beziehen sich ausschließlich auf die Google-Suche. Wer hierauf verzichten kann ist gut dran und tut zudem etwas für die Internet-Umwelt – in Richtung einer Schwächung der Machtposition des Suchmaschinen-Giganten.

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4 Gedanken zu „Google-Optimierung: Website mobile-friendly machen

  1. Wer seine Seite bislang nicht für die mobile Suche optimiert hat weil er auf den Mobile-Traffic „verzichtet“ hat, wird es auch getrost weiter tun, außer auch der letzte hört den Knall.
    Fakt ist dass ca. 20 % des Traffics über mobile Geräte stattfindet und trotzdem ein Großteil ihre Seite für Smartphones & Co. nicht optimiert und wahrscheinlich trotz mehrfacher Ankündigungen durch Google u.a. in den Webmastertools etc. nicht tun wird.

  2. Hallo …,

    nur weil Google so viel wert darauf legt (dass Webseiten an mobile Geräte adaptiert werden) und wir alle (bedingt) auf diese Suchmaschine angewiesen sind, habe ich nun meine Webseite endlich auf mobile Geräte optimiert; allerdings ‚quick & dirty‘.

    Lt. Google PageSpeed Insights erlangt meine Webseite (im Desktop- / Mobil-Segment) 100 von 100 Punkten.

    Ich hasse es (m)eine Seite(n) ‚responsive‘ zu schreiben … jetzt hab ich’s hinter mir und warte meine (neuen) Platzierung(en) in den Suchergebnissen ab.

    Ciao, Sascha.

    1. Hi Sascha,

      100 von 100 Punkten – Respekt und sportliche Anerkennung! Die Dominanz des Suchmaschinen-Diktators geht auch mir gegen den Strich, die Geschwindigkeitsoptimierung kommt allerdings ja auch Deinen Leserinnen und Lesern zugute. Und vielleicht auch Deinen Rankings bei Google – in ein paar Wochen soll der Aspekt Pagespeed als Rankingfaktor noch einmal verschärft werden. Warten wir’s ab.

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