LaterPay WordPress-Plugin

LaterPay: erste Einblicke ins WordPress-Plugin

Vor einigen Monaten bereits hatte Richard Gutjahr das Micropayment-System LaterPay vorgestellt, das von der gleichnamigen GmbH mit Sitz in München entwickelt wird. Über 170 Kommentare zu diesem Blogbeitrag zeugen vom Interesse an einem Lösungsansatz zur Frage, wie Blogger oder Journalisten und -innen Geld im Internet verdienen können. Vor wenigen Tagen sind nun auch weeklys und Lousy Pennies in eine zweite Testphase eingestiegen. Offenbar soll u. a. das WordPress-Plugin von LaterPay einem abschließenden Test unterzogen werden, denn auf beiden Websites wird das Blogging-System WordPress genutzt. Ich war neugierig und hab mir das Backend des Plugins angeguckt.

In einem Interview von Sebastian Pertsch mit den LaterPay-Gründern Cosmin Ene und Jonas Maurus vor drei Monaten war die Rede vom „offiziellen Markteintritt LaterPays in wenigen Wochen“; Richard Gutjahr kündigte einen Marktgang und die Fertigstellung des WordPress-Plugins für Juni/Juli an. Dies scheint nun zugunsten einer weiteren Testphase verschoben worden zu sein. Das LaterPay-Plugin jedenfalls wird auf der Homepage von LaterPay noch nicht angeboten und auch im Plugin-Verzeichnis von wordpress.org ist es nicht auffindbar [Stand: 4.7.2014]. Dennoch ist es inzwischen downloadbar: Als „official LaterPay plugin for selling digital content with WordPress“ ist es auf GitHub vor einigen Tagen veröffentlicht worden – und wird auf der Coding-Plattform nun öffentlich weiterentwickelt.

Installation und Aktivierung des LaterPay-Plugins

Nach Download der aktuellen Version 0.9.x wird der entzippte Ordner wie üblich in das WordPress-Pluginverzeichnis geschoben (wp-content/plugins/) und dann im WP-Backend aktiviert. Danach begrüßt uns das Plugin mit „Enter your LaterPay credentials here to activate your plugin now“ und verlangt nach einer Sandbox Merchant ID und einem Sandbox API Key. Blöderweise gibt LaterPay diese Schlüssel zur Zeit noch nicht heraus (eine Anmeldung als Händler/Merchant unter merchant.laterpay.net war am 4.7.2014 noch nicht möglich). Ein Blick in den Quellcode aber verrät, dass hier zunächst auch beliebige Kombinationen aus Buchstaben und Zahlen mit 22 (Merchant ID) bzw. 32 (API Key) Stellen eingetragen werden können, um zumindest einen ersten Einblick in die Funktionalität des Backends zu erhalten.
LaterPay-Plugin aktivieren

Falls Ihr es selbst ausprobieren möchtet und hierzu eine lokale Testinstallation von WordPress verwendet, was Sinn macht: Bereits beim ersten Aufruf des Backend-Menüpunktes „LaterPay“ muss eine Internetverbindung aktiv sein, sonst erscheint der oben abgebildete Get-Started-Bildschirm zur Eingabe der Identifikationsnummern gar nicht. LaterPay-Plugin im Testmodus Nach Eingabe der Pseudo-Nummern und Klick auf den Activate-Button schaltet das Plugin in einen Testmodus. Für ein späteres „Live Environment for processing real financial transactions“ bietet das Backend im Menü „Account“ weitere ID-Eingabefelder und einen Schalter an, um vom Test- auf den Live-Mode zu wechseln.

Grundlegende Einstellungen im LaterPay-Menü

Der Menüpunkt „Pricing“ ermöglicht die Eingabe eines globalen Preises (voreingestellt ist 0,29 Euro), der zudem für jede Blog-Kategorie separat festgelegt und auch sehr flexibel bei jedem Beitrag/Post angepasst werden kann. Die globale und die Kategorie-Vorgaben dienen nur als Voreinstellung, die beim Verfassen eines Beitrags zunächst übernommen werden soll, um dort bei Bedarf individualisiert werden zu können (die Übernahme der Preisvorgaben funktioniert noch nicht, was aber auf GitHub bereits als Minor-Bug markiert wurde und sicherlich in den nächsten Tagen korrigiert wird). Die mögliche Preisspanne liegt zwischen 5 Cent und 5 Euro – Beträge unter oder über diesem Bereich werden vom Plugin nicht akzeptiert.

Der dritte Menüpunkt „Appearance“ der LaterPay-Einstellungen dient zur Gestaltung des Frontends bezüglich der kostenpflichtigen Beiträge. Zwei Punkte stehen hier zur Auswahl: „Teaser content only“ und „Teaser content + full content, covered by overlay“.

LaterPay-Menüpunkt Appearance

Wie die Anzeige eines Beitrags mit Overlay aussieht, könnt Ihr auf dem LaterPay-Demo-Server des WordPress-Plugins begutachten. In diesem Modus wird ein für jeden lesbarer Teaser angezeigt, der für den Beitrag individuell und unabhängig vom eigentlichen Text gestaltet werden kann. Im Overlay-Modus werden darunter zusätzlich noch Teile des kostenpflichtigen Textes eingeblendet, allerdings in einer unleserlichen Form. Diese überblendeten Appetithappen sind im Quelltext durchaus lesbar. Da es sich aber nur um einen Teil des Textes handelt, zudem eingebundene Grafiken etc. versteckt bleiben, dürfte dies kein wirkliches Problem sein in Blick auf die Zahlungsbereitschaft der potentiellen Leserschaft. Problematisch bei beiden Anzeige-Modi ist allerdings, dass auch Suchmaschinen den Text nicht komplett auslesen können – für eine Onpage-Optimierung ist das gar nicht gut. In einer settings.php des Plugins lassen sich allerdings sowohl die Länge des Teasers festlegen (Voreinstellung: 60 Wörter) als auch die unter dem Overlay vorscheinenden und für Suchmaschinen im Quelltext lesbaren Textpassagen in Ihrer Länge bestimmen (prozentual).

// Number of words used for automatically extracting teaser content for paid posts
'LATERPAY_AUTO_GENERATED_TEASER_CONTENT_WORD_COUNT' => 60,
// Number of words of actual paid content displayed under semitransparent overlay in preview mode "teaser + overlay"
// Three parameters can be defined:
// - percentage of content to be extracted (values: 1-100); 20 means extract 20% of the total number of words
// - MINimum number of words; applied if percentage of words is less than this value
// - MAXimum number of words; applied if percentage of words exceeds this value
'LATERPAY_PAID_CONTENT_PREVIEW_PERCENTAGE_OF_CONTENT' => 20,
'LATERPAY_PAID_CONTENT_PREVIEW_WORD_COUNT_MIN' =>        26,
'LATERPAY_PAID_CONTENT_PREVIEW_WORD_COUNT_MAX' =>        200,

Neben der Auswahlmöglichkeit von Teaser- oder Overlay-Anzeige für die kostenpflichtigen Texte findet sich beim Menüpunkt „Appearance“ noch ein Code-Schnipsel, der in ein WordPress-Theme an beliebiger Stelle eingepflegt werden kann. Innerhalb eines iFrames wird einem Besucher dann die Gesamtsumme angezeigt (ausgeliefert vom LaterPay-Server), die er bereits verlaterpayed hat – der Betrag also, der insgesamt über Websitegrenzen hinweg aufgelaufen ist und noch nicht bezahlt wurde (siehe zum Beispiel die Preisanzeige oben rechts auf gutjahr.biz).
LaterPay-iFrame Gesamtsumme

Das LaterPay-Menü sieht wohl noch einen vierten Menüpunkt „Statistics“ vor, um eine grafisch aufgearbeitete Verkaufsstatistik anzuzeigen. Bei meiner Testinstallation wird dies, vermutlich aufgrund fehlender Anbindung an den LaterPay-Server, nicht angezeigt. Ein Screenshot hierzu findet sich in den per LaterPay kaufbaren Slides von Richard Gutjahr (5 Cent). Nach dem Kaufprozess wird übrigens zu einem PDF-Dokument innerhalb des WordPress-Upload-Ordners des Gutjahr-Blogs weitergeleitet, auf das ich hier beinahe direkt verlinkt hätte. Die Bezahlfunktion wäre dadurch übergangen worden.

Preisgestaltung bei Beiträgen/Posts

Die Eingabemaske für Beiträge (nicht aber für Seiten/Pages) im WP-Backend wird durch das LaterPay-Plugin um ein Feld zur Eingabe des Teaser-Contents erweitert. Beim Abspeichern eines Beitrags wird dieses Teaser-Feld, falls es leer gelassen wurde, automatisch mit dem Anfang des Beitragstextes befüllt. Schön: Das Teaser-Eingabefeld bietet die gleiche Funktionalität wie das normale Eingabefeld für Beiträge. Es ist also beispielsweise möglich, den Anreißer mit Bildern, Videos etc. zu gestalten.
Laterpay Teaser-Eingabefeld

Außerdem kann beim Anlegen bzw. Bearbeiten eines Beitrags dessen Preis, wie oben bereits angedeutet, angepasst werden. Auf Knopfdruck lässt sich der global vorgetragene Preis gegen einen Kategoriepreis austauschen, ein individueller Preis eintragen und auch ein dynamischer Preisverlauf festlegen. LaterPay: dynamische Preisgestaltung Die einblendbare grafische Anzeige des Preisverlaufs (siehe Abbildung) lässt sich mit der Maus einstellen – sehr chic gemacht! Irritierend ist nur, dass der Anfangspreis einer dynamischen Preisberechnung und vermutlich auch alle weiteren sich im Zeitverlauf ergebenen Tagespreise nicht in das Standardpreisfeld übernommen werden, das beim erneuten Aufruf eines bereits angelegten Beitrags mit 0,00 Euro angezeigt wird, auch wenn ein dynamisches „Pricing for this Post“ festgelegt wurde.

LaterPay-Plugin – Quintessenz

Abgesehen von den genannten kleineren Fehlern ist das LaterPay-Plugin für WordPress übersichtlich und intuitiv bedienbar. Bisher deckt es die Pay-per-Use-Variante von LaterPay ab. In den AGB bzw. im Händlervertrag ist allerdings auch ein Single-Sale-Geschäftsmodell erwähnt (hierbei muss vor dem Lesen bezahlt werden), das sich im Plugin bisher nicht wiederfindet. Das Plugin wird daher wohl in Zukunft um weitere Funktionen ergänzt werden.

Wie sich die Einstellungen im Backend auf das WordPress-Frontend auswirken, ob z. B. die Overlay-Darstellung mit dem ausgewählten Theme kompatibel ist, lässt sich mit ungültigen Sandbox-Schlüsseln leider nicht testen. Beim Aufruf des Blogs wird nämlich zunächst eine Verbindung zum LaterPay-Server aufgebaut, um die Keys zu übergeben und bei ungültigen Anfragen eine Fehlermeldung im Browser anzuzeigen. Das führt mich zu einigen kritischen Überlegungen.

Konstruktive Kritik in Richtung LaterPay

Die Verbindungen zu den LaterPay-Servern sind vermutlich technisch begründbar. Unter anderem werden sie für die Statistik nötig sein, die dem LaterPay-Händler Einblicke in Zugriffe und Konversionsraten liefert. Sie offenbart allerdings auch der Münchner GmbH, und dessen sollte sich jeder Interessierte zumindest bewusst sein, detaillierte Einblicke in die Besucherzahlen der eigenen Website. Diese Art des Trackings ist damit vergleichbar mit denjenigen, die durch Integration von Google-Fonts oder Gravataren oder durch Google Analytics in Richtung USA ermöglicht werden. In diesem Fall allerdings, und das mag sympathischer sein, werden sie laut Firmenangaben auf Servern mit Standort Deutschland gespeichert.

„Wir sind ein deutsches Unternehmen, das Datenschutz und Privatsphäre ernst nimmt.
Wir sammeln nur die geringstmögliche Menge an Daten und speichern diese sicher in unserem deutschen Rechenzentrum. Geprüft und zertifiziert.
Ihre Daten sind sicher. Versprochen.

Ein weiteres, technisch wohl ebenfalls nötiges Tracking-Verfahren stellen die eingesetzten Cookies dar. Im Zuge des Kaufprozesses werden sie vom LaterPay-Server auf dem Computer des Käufers gespeichert, um beim nächsten Aufruf eines Beitrags feststellen zu können, ob dieser bereits bezahlt bzw. gebucht wurde. Entgegen einiger Verlautbarungen funktioniert dieses Verfahren nicht geräteübergreifend – nicht einmal browserübergreifend. Diese Funktionalität bietet sich nur einem registrierten Käufer, der von jedem Gerät und Browser aus einen Text kaufen kann, um diese Mehrfachkäufe innerhalb seines LaterPay-Kontos dann zurückrechnen zu lassen. Weil das Pay-per-Use-Verfahren durch die bewusst einfache 2-Klick-Handhabung, die durchaus charmant ist, keine Registrierung voraussetzt, lässt sich das Bezahlsystem durch regelmäßiges Löschen von Cookies bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag umgehen. Einige Kommentare diesbezüglich unter Beiträgen zum neuen Mikropayment-Verfahren zeugen davon, dass technische Raffinesse hierbei nicht erforderlich ist, nicht einmal böse Absicht unterstellt werden muss – nicht nur ich lasse Cookies beim Schließen des Browsers automatisiert löschen. Außerdem: Es handelt sich beim Setzen des LaterPay-Cookies um ein Third-Party-Cookie (was ich grundsätzlich deaktiviert habe und für testende Einkäufe wieder scharf schalten musste). Zweifelsohne ist dies ein Tracking-Cookie. Es stellt sich daher die Frage, ob Webseiten einen Hinweis oder gar ein Opt-in-Verfahren gemäß der europäischen Cookie-Richtlinie implementieren müssen, sobald sie LaterPay nutzen.
BBC: Cookie-Hinweis

Interessant ist auch eine weitere juristische Frage: Werden Blogger und Journalisten durch den Einsatz des LayterPay-Systems zu Händlern im Sinn der EU-Verbraucherrechterichtlinie? Handelt es sich um eine ‚Lieferung digitaler Inhalte an den Verbraucher auf einem nicht körperlichen Datenträger‘? In diesem Fall wird unter anderem eine spezielle Widerrufsbelehrung zur Pflicht. Auch wenn bei dieser Art des Verkaufs ein Widerrufsrecht recht sinnfrei erscheint – Abmahn-Anwälte interessiert das wenig.

Abschließend, um nicht missverstanden zu werden: Viele im Netz aktive Journalistinnen und Journalisten scheinen Hoffnung in LaterPays Versuch zu stecken, ein einfaches und praktikables Bezahlverfahren für kleine und Kleinstbeträge auf den Markt zu bringen. Auch ich tue das. Für meinen Geschmack aber sollte zum einen das Marketing verbessert werden: Eine klare Aussage, dass es sich bei Pay-per-Use um ein freiwilliges, weil mühelos austricksbares Verfahren handelt, würde Klarheit schaffen. Es ist im Prinzip eine Bitte zur Spende, vergleichbar mit Flattr. Weil ein zweites Verfahren, eine klassische Paywall für Kleinbeträge (Single-Sale), scheinbar ebenfalls in Arbeit ist, ließe sich beides im Paket, sich gegenseitig ergänzend, doch offen und offensiv vermarkten. Zum zweiten wäre es wünschenswert, juristische Fragen in München bereits zu klären und vielleicht auch technisch einzubauen, um interessierten ‚Klein‘-Händlern individuelle Rechtsberatung und kostenintensive technische Implementierungen zu ersparen. Und zum dritten, eventuell ein recht persönlicher Wunsch: Eine etwas entschärfte Datenübermittlung/Seitenüberwachung wäre nett, indem beispielsweise nur bei aktivierter Statistikauswertung in der settings.php bei jedem Seitenzugriff nach München telefoniert wird (eine entsprechende Variable ist dort bereits vorhanden).
Zeit für diese Art von Kundenservice scheint aufgrund der Verschiebung des Markteintritts von LaterPay noch zu sein.

4 Gedanken zu „LaterPay: erste Einblicke ins WordPress-Plugin

  1. Wow! Vielen Dank für diesen mit viel Liebe recherchierten Artikel und die inhaltlichen Anregungen. Ich bin bei LaterPay der Product Owner und u. a. für die Entwicklung des WordPress Plugins verantwortlich. Und Zeit für Kundenservice nehmen wir unser immer gerne.
    Da ohne API Zugangsdaten die genaue Funktion des Plugins teilweise nur geraten werden kann, würden wir gerne einen Einblick in unseren Entwicklungsstand und die weiteren Pläne geben. Ich bin überrascht, wie akkurat der Großteil der Darstellungen war, würde aber einige Punkte gerne genauer erläutern und um noch nicht öffentlich zugängliche Fakten ergänzen, um Missverständnisse auszuräumen. Spontan kann ich mir zum Beispiel eine (öffentliche?) Online-Konferenz vorstellen, in der ich Fragen zum Plugin beantworte. Interesse?

    1. Hallo Herr Rodler,

      herzlichen Dank für Ihre Reaktion. Ja, Interesse! Daher ja auch die Recherchen. Und da sicherlich allgemein Interesse besteht, wär ne öffentliche Konferenz schön. Hier bin ich technisch allerdings vollkommen unbedarft :-) Machen Sie einen Vorschlag?

  2. Nachtrag 21.7.2014: Ab heute ist das LaterPay-Plugin über GitHub offiziell zum Testen freigegeben worden, wie t3n berichtet. Die Sandbox-IDs sind in der aktuellen Plugin-Version 0.9.6 bereits eingetragen. Damit ist nun auch eine Vorschau im WordPress-Frontend möglich. Für einen angemeldeten Admin wird so die Overlay-Technik sichtbar, zudem wird eine Statistik über Zugriffe und Verkäufe eines Beitrags eingeblendet. Offenbar wird hierzu Google Analytics benutzt, jedenfalls blendet das Firefox-AddOn Ghostery diesen Google-Tracker ein, sobald die Statistikdaten vom LaterPay-Server abgerufen werden.
    Es ist übrigens nicht nötig, eine Online-Testumgebung aufzusetzen/anzumieten. Das aktuelle Plugin funktioniert auch in einer lokalen Testinstallation (gerade getestet mit dem neuen WordPress 4 (Beta)), wie oben beschrieben. Für eine Ansicht des Frontends muss dann eine Internetverbindung aufgebaut werden.

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