Google Webmaster-Tools

Google Webmaster-Tools – eine Einführung

Teil 4: Erste Einblicke – die Suchanfragen-Diagramme

Hinweis: Inzwischen hat Google den Menüpunkt „Suchanfragen“ in den Webmaster-Tools ersetzt durch die erweiterte Funktion „Suchanalyse“ (im Mai 2015 noch in der Beta-Phase). Die nachfolgend abgebildeten Suchanfragen-Diagramme werden daher in dieser Form nicht mehr angeboten. Als Orientierung zur groben Einschätzung mögen sie dennoch dienen.

Nach Aufruf des Dashboards einer in den Webmaster-Tools angemeldeten Website werden unter „Neu und wichtig“ zuallererst Nachrichten eingeblendet. Diese Benachrichtigungen, Fehlermeldungen oder Warnhinweise lassen sich auch über das linke Navigationsmenü aufrufen und darüber bei Bedarf auch löschen. Darunter folgen links Hinweise zu eventuell vorliegenden Crawling-Fehlern, rechts Informationen zur Funktionalität der eingereichten Sitemap(s) und in der Mitte eine grafische Darstellung von Impressionen und Klicks im zeitlichen Verlauf.
Website-Dashboard

Das mittig positionierte Diagramm wird sicherlich bei vielen Webmastern im Zentrum des Interesses stehen – jedenfalls dann, wenn links und rechts keine bedeutenden Mängel erkennbar sind (die zunächst behoben werden sollten).

Bedeutung und Deutung der Diagramme

Das Liniendiagramm wirkt zunächst unmittelbar verständlich: Auf der X-Achse ist der zeitliche Verlauf abgetragen, der in den Webmaster-Tools derzeit maximal 90 Tage umfassen kann. In Richtung Y-Achse sind die ‚Leistungswerte‘ vermerkt: Mit Impressionen (blau) sind die Einblendungen von Verweisen + Snippets oder auch Grafiken der Website auf Googles Suchergebnisseiten gemeint. Als Klick (rot) wird gezählt, was dann tatsächlich von Suchenden angeklickt wurde.

In ihrer Überschaubarkeit scheint die Interpretation der Graphen auf der Hand zu liegen: Steigende Verläufe sind gut, fallende schlecht, stagnierende langweilig. Vielmehr als solche groben Tendenzen lassen sich aus den Linienverläufen auf die Schnelle nicht herauslesen. Sind 130 Klicks in einem Monat schlecht? 80000 Impressionen sind doch bestimmt gut? Mag mich Google nicht mehr, weil die Impressionen heute viel niedriger sind als sie vorgestern waren?

Die nachfolgenden Beispiele sollen einige Deutungsmöglichkeiten aufzeigen. Vielleicht helfen sie auch, die Leistung der eigenen Website im Vergleich besser einordnen zu können. Dabei sollte bei allen Betrachtungen stets bewusst bleiben, dass es sich um einen Google-zentrierten Blick handelt. Googles Suchmaschine bzw. deren organische Suchergebnisse, und nur hierüber können die Webmaster-Tools Auskunft geben, sind für viele ein bedeutender Zubringer von Besuchern. Sich auf diesen Kanal als einzigen zu verlassen, kann riskant sein.

Webmaster-Tools - "Suchanfragen"
Beispiel 1: eine frische Website
Das erste Beispiel stammt von einer erst kürzlich registrierten Domain. Die Anmeldung in den Webmaster-Tools diente dazu, Google über die Existenz der neuen Website erst einmal in Kenntnis zu setzen. Nach Anmeldung am 3.1. begannen Googles Crawler recht zügig, die einzelnen, noch rar gesäten Einzelseiten unter die Lupe zu nehmen. Neben der für die Googlebots gesperrten Datenschutz- und Impressumsseite bot die Website nur die Homepage, eine Autorenseite und eine Willkommensseite, auf der das zukünftige Thema umrissen wird und nach guter alter SEO-Manier einige Keywords zielorientiert gestreut wurden. Weiterer Inhalt ist bis zum Abruf der oben abgebildeten Suchanfragen-Statistik zwei Wochen später nicht hinzugekommen.

Tatsächlich wurden die drei relevanten Seiten schnell indexiert und bereits einige Male in den SERPs angezeigt (welche Seiten wie häufig eingeblendet wurden, wird über den TAB „Die häufigsten Seiten“ ersichtlich). Angeblich wurden zwei davon sogar schon in den Top Ten, also auf der ersten Suchergebnisseite, präsentiert, was aufgrund der höchst bescheidenen Seitenanzahl und auch, weil es sich um einen Frischling handelt, kaum zu glauben ist. Jedenfalls ist die Site gerüstet, um in den kommenden Monaten von Google beachtet zu werden – vorausgesetzt, dass das ‚Keyword-Versprechen‘ eingehalten wird und entsprechende Inhalte folgen.

Ach ja: Die Diagramm-Darstellung von Impressionen und Klicks einer frischen Website wie dieser hat keinerlei Aussagewert. Eine statistisch haltbare Interpretation ist aufgrund der viel zu geringen Daten schlicht und einfach unmöglich. Es wäre reine Zeitverschwendung.


Webmaster-Tools - "Suchanfragen"
Beispiel 2: ein vor sich hin dümpelnder Schläfer
Das Diagramm dieser Website zeigt, wie alle nachfolgenden Beispiele, den Verlauf über die in den Webmaster-Tools maximal abrufbaren drei Monate. Ein unsteter, fluktuierender Verlauf der Impressionen und eine gegen Null tendierende Klicklinie bedeuten, dass diese Internetpräsenz über Google nahezu unauffindbar ist. Die (manuell ausgerechnete) Klickrate, also das Verhältnis von Klicks zu Impressionen in Prozent, liegt bei mageren 0,6%. Die wenigen von Google sporadisch angezeigten Seiten erhielten im Durchschnitt gerade einmal 0,7 Klicks.

Allerdings: Die Zugriffsstatistik des Hosters verzeichnet für diese Website durchschnittlich 50 Besuche – und zwar täglich! Das ist nicht herausragend, zeigt aber, dass in diesem Fall auf Google einfach mal gepfiffen wird. Und: Es handelt sich hierbei um eine mehr als zehn Jahre alte Website, die bisher nie auf Google optimiert wurde, thematisch nie ausgerichtet wurde, noch nie mit eine breitere Öffentlichkeit adressierenden Inhalten ausgestattet wurde. Sobald dies geschieht, könnte gerade aus solch einem Schläfer eine Google-Granate entstehen. Aus dem Webmaster-Diagramm lässt sich das allerdings nicht herauslesen.


Webmaster-Tools - "Suchanfragen"
Beispiel 3: eine kleine Website mit Luft nach oben
Eine Klickrate von 4,8% und 16,9 Klicks pro Seite sind sicherlich gute Werte – jedenfalls für ein Projekt mit einem wirtschaftlich interessanten Thema und einer nennenswerten Menge an konkurrierenden Websites in diesem Bereich (Online-Shops, Informationsportale, Herstellerseiten). Im Liniendiagramm ist bereits die Ausbildung von Wochenzyklen erkennbar (z. B. Anfang der Woche aufsteigend, gegen Ende fallend). Voraussetzung hierfür ist zum einen, dass die Anzahl der Suchenden recht stabil ist, zum anderen, dass Googles Algorithmen die Website bzw. ihre Einzelseiten positiv bewerten und für informativ befinden. Dann steht einer gleichmäßig hohen Anzahl an Einblendungen in den Trefferlisten der Suchmaschine kaum noch etwas im Wege.

Diese Website schreit nach mehr Inhalten. Stimmt die Qualität auch der neu hinzukommenden Seiten, wird sich Google mit steigenden Impressionen bedanken. Spielen dann auch die Suchenden mit, wird das Klick-Diagramm ebenfalls nach oben weisen. Außerdem sollten sich die Wochenzyklen gleichmäßig ausformen, was stets ein beruhigendes Zeichen ist.


Webmaster-Tools - "Suchanfragen"
Beispiel 4: ein wissenschaftliches Projekt ohne Ambitionen
Dieses Projekt kann dreimal soviel Seiten vorweisen wie das eben erwähnte. Deutlich höher sind auch die Impressionen. Die Klickrate aber ist bescheiden und der Verlauf des Diagramms unregelmäßig. Mehr ‚Content‘ bedeutet nicht zwangsläufig mehr Besucher. Und das, obwohl die Qualität der Inhalte gleichbleibend hoch ist – jedenfalls aus Sicht eines Wissenschaftlers. Googles Algorithmen hingegen scheinen ein Problem mit den Texten dieses Projekts zu haben, das als Nebenprodukt einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit entstanden ist. Die Zuordnung der Texte zu den Suchanfragen misslingt offenbar. Google schlägt die Seiten zwar durchaus häufig vor, aber keine Sau interessiert sich dafür.


Webmaster-Tools - "Suchanfragen"
Beispiel 5: thematisch extrem stark fokussierte Website
Gerade einmal 44 Seiten konnten im Betrachtungszeitraum fast 17000 Klicks einsammeln. Im Durchschnitt schickte die Google-Maschine also in 90 Tagen 381,5 Besucher auf jede dieser Landingpages. Die sehr sauber geformten Wochenzyklen zeigen, dass die Website gleichmäßig in den SERPs angezeigt wird und das Suchverhalten nahezu konstant ist. Die hohe Klickrate deutet auf sehr gute Positionen innerhalb der organischen Suche.

Die Weihnachtsdelle gibt keinen Grund zur Sorge. Sie ist bei vielen Websites zu finden, vor allem bei Online-Shops, aber auch bei Affiliate-Seiten und durchaus auch bei sogenannten Howto-Seiten. Nicht Google verursacht diesen Rückgang an Impressionen und daher auch Klicks, die Suchenden sind schuld. Einige Tage vor Weihnachten stellen sie ihre Shopping-Aktivitäten ein und bis Anfang des neuen Jahres offenbar auch ihr Wissensbedürfnis. Gut, wenn danach alle Gehirnfunktionen wieder auf Normal geschaltet werden. Obiges Diagramm zeugt davon.


Webmaster-Tools - "Suchanfragen"
Beispiel 6: Absturz!
Mit ca. 1300 von Google berücksichtigten Seiten handelte es sich bei diesem Projekt um eine vergleichsweise umfangreiche Website. Sie wurde über einen längeren Zeitraum gleichmäßig aufgebaut und hatte sich bei Google einen guten Ruf erarbeitet – das verdeutlichen auch hier die wundervoll gleichförmigen Wochenzyklen.

Und dann der Absturz. Mitte Dezember ging es im Steilflug in den Keller. Hatte Google die Seiten aus den SERPs katapultiert? Hatten Panda und Pinguin oder irgendwelche anderen tierischen Strafmaßnahmen der Website den Todesstoß versetzt? Die Benachrichtigungsfunktion in den Webmaster-Tools gibt Auskunft – Google forderte: „Increase in not found errors“. Die Webcrawler konnten die Seiten also einfach nicht mehr finden. Tatsächlich wurde Mitte Dezember die komplette Website vom Netz genommen. Schade.


Webmaster-Tools - "Suchanfragen"
Beispiel 7: Der Streber
Eine Augenweide, nicht wahr? Für diese Website scheint es nur eine Richtung zu geben: aufwärts! Und Google liebt die Seiten. Anders ist dieser Aufwärtstrend der Impressionen kaum zu erklären, denn die Website hat weder zu Beginn des Anstiegs noch während dessen nennenswerte Verbesserungen erfahren – keine Onpage-Optimierungen, keine Verlinkungsaktionen, höchst bescheidene Social-Media-Aktivitäten, sehr wenige neue Beiträge. Kurzum: Ich habe keinen blassen Schimmer, warum die Maschine die Einblendungen auf den Suchergebnisseiten stetig erhöht.

Blöd daran ist, dass der Klickverlauf nicht entsprechend mitzieht. Um ca. 1800 Klicks zu erhalten, spendierte Google dem Projekt mehr als 94000 Impressionen. Zum Vergleich: Bei ähnlicher Seitenanzahl benötigte die Website aus Beispiel 3 hierfür nur knapp 38000 Impressionen. Die Klickrate und damit die Effizienz der Einblendungen ist also bei Googles Liebling miserabel. Es ist zu befürchten, dass eben solch ein Effizienzkoeffizient in den Googleschen Algorithmen früher oder später den Aufwärtstrend stoppt und ins Gegenteil verkehrt. Und die Crux an der Geschicht: Weil ich die Ursache für die steigenden Impressionen nicht kenne, kann ich wenig tun. Liebesbriefe an eine Maschine werden vermutlich nicht helfen.


Teil 1: Geschichtliche Entwicklung und Zweck der Webmaster-Tools
Teil 2: Anmelden in den Webmaster-Tools und Verifizieren einer Website
Teil 3: Erste Schritte – „Improve the search presence of …“
Teil 4: Erste Einblicke – die Suchanfragen-Diagramme


5 Gedanken zu „Google Webmaster-Tools – eine Einführung

  1. Hallo,
    sehr hilfreicher Artikel. Danke dafür.

    Ich hatte ebenfalls die Nachricht Improve the search presence of … und wusste nicht das ich die gleiche Seite nochmal anlegen muss. In meinem Fall eben ohne www.

    Was ich mich jetzt allerdings Frage. Warum zeigt es bei anderen Seiten die ich betreibe nicht an?

    Alle Seiten werden mit Wordpress umgesetzt. Und auch die Allgemeinen Einstellungen bestimmen die richtige URL.

    Gruß
    Manuel

    1. Hi Manuel,
      die Nachricht erscheint seit einiger Zeit bei neu angemeldeten Websites, nicht nachträglich bei Seiten, die länger schon in den Webmaster-Tools eingetragen sind. Allerdings sind es ja allgemeine Empfehlungen, die grundsätzlich auf alle Sites anwendbar sind – wobei das im Einzelfall zu prüfen ist! Wenn Du, wie Du schreibst, WordPress benutzt, ist die Anmeldung der Varianten mit www und ohne schlicht und einfach überflüssig! (Google überprüft das nicht, sondern versendet einfach an alle neu hinzugekommenen diese allgemein gehaltenen Empfehlungen, immer im selben Wortlaut).

  2. Hallo Ralf,

    ich habe die Meldung von Google ca. zwei Monate ignoriert. Dann merkte ich einen Abfall in den Rankinkgs um 20 Plätze.

    Ich vermute das Google nun double Content gefunden hat und mich deswegen „bestraft“

    Ich habe nun wie von Google gewollt, die Seite nochmal angelegt.

    Bleibt nun abzuwarten ob sich die Rankings wieder verbessern.

    Wenn ja dann vertraue ich lieber nicht nur auf die Tatsache das ich WP nutze.

    Dann sollte man dem Google Anliegen wohl auch mit WP nachkommen.

    1. Hallo Manuel,
      das lässt sich ganz einfach testen durch eine Site-Abfrage bei google.de -> site:DeineDomain.de eingeben und gucken, ob tatsächlich Seiten mit www und ohne indexiert sind.
      Aber wie gesagt, WordPress reguliert das selbstständig. Falls doch was schief gelaufen ist, kann das nur an seltsamen Plugins oder Themes liegen (ist bei mir noch nicht vorgekommen). In diesem Fall solltest Du das Problem dort lösen, wo es entsteht – nicht nur über die WMT nachträglich regulieren.

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