Google Webmaster-Tools

Google Webmaster-Tools – eine Einführung

Teil 3: Erste Schritte – „Improve the search presence of …“

Nach dem Anmelden einer Website in den Webmaster-Tools wird eine Nachricht im Dashboard eingeblendet. Üblicherweise treibt so etwas den Angstschweiß auf die Stirn jedes Suchmaschinenoptimierers, denn in der Regel verheißt eine dortige Mitteilung nichts Gutes, nutzt Google doch die Tools zur Disziplinierung der Webmaster, zur Verkündung von Bestrafungen (in der Seo-Szene wird dies mit dem Unwort „Abstrafung“ oder neudeutsch „Penalty“ bezeichnet). In diesem Fall allerdings meldet sich das „Google Webmaster Tools Team“, um sich von seiner freundlichen Seite zu zeigen. Es werden Vorschläge unterbreitet, um die „search presence“ der angemeldeten Website zu verbessern, um die „site performance on Google Search“ zu erhöhen (ich vermeide hier eine Übersetzung, weil mich die Formulierungskünste in den offiziellen Google-Mitteilung beeindrucken: Das Wort „Rankings“ wird suggeriert, aber clever vermieden). Diese von höchster Stelle vorgeschlagenen ersten Schritte werden nachfolgend erläutert.

Improve Webmaster Tools

Vorschläge vom „Google Webmaster Tools Team“

1. Add all your website versions – alle Adress-Varianten hinzufügen

"Add a site"„Make sure you add both „www“ and „non-www“ versions for your site. Also, if you use the HTTPS protocol, add those variations as well.“

Ob der Domain-Name einer Website mit oder ohne vorangestelltes „www.“ in das Adressfeld eines Browsers eingegeben wird, spielt in der Regel keine Rolle: In beiden Fällen dürfte die gewünschte Homepage angezeigt werden. De facto allerdings handelt es sich zum Beispiel bei www.google.com und google.com um zwei unterschiedliche Adressen, die theoretisch sogar mit unterschiedlichen Inhalten befüllt werden könnten. Denn technisch gesehen verweist das vorangestellte „www“ genauso auf eine Subdomain (und nicht auf die eigentliche Domain), wie es z. B. ein vorangestelltes „plus“ (plus.google.com) oder „support“ (support.google.com) tut.

Das kann weitreichende Konsequenzen haben. Die technische Differenz der Homepage-Adresse mit und ohne www überträgt sich nämlich auf alle Seiten bzw. URLs des Webprojekts. So repräsentieren die Adressen xyz.de/erster-Beitrag und www.xyz.de/erster-Beitrag aus Sicht einer Suchmaschine ebenfalls zwei Internetseiten – auch, und gerade das stellt das eigentliche Problem dar, wenn die jeweils vorgefundenen Inhalte identisch sind. Im Prinzip wird hierdurch eine komplette Website mit all ihren Einzelseiten gespiegelt, verdoppelt. Es wird also sogenannter „Duplicate Content“ produziert. Für Suchmaschinenbetreiber ist das ärgerlich, denn es frisst unnötig viel Speicherplatz und Crawling-Kapazitäten. Und für Seitenbetreiber sind solche duplizierten Inhalte von Nachteil, denn so konkurrieren die eigenen Seiten miteinander um gute Positionen bei Google und Co.

Das Google-Team bittet daher darum, beide Domain-Versionen in den Webmaster-Tools anzumelden, um dann im zweiten Schritt eine davon als bevorzugte auswählen zu können. Das heißt: Wenn Du zunächst www.DeineDomain.de angemeldet hast, sollst Du dieses Prozedere nun auch für die Version DeineDomain.de durchführen (siehe Anleitung: Hinzufügen einer Website). Und, falls Du einen gesicherten Zugriff (SSL) eingerichtet hast, sollst Du neben http://DeineDomain.de auch noch https://DeineDomain.de sowie https://www.DeineDomain.de anmelden, denn auch hierdurch können die eben skizzierten Dopplereffekte verursacht werden.

2. Select your preferred version – bevorzugte Domain festlegen

"Set preferred version"„Choose whether you want your site to appear with or without ‚www‘ in Google Search.“

Nach dem Anmelden der unterschiedlichen Adress-Varianten lässt sich über ein Auswahlfeld bestimmen, welche von Google zukünftig als die eigentliche, bevorzugte behandelt werden soll. Tatsächlich funktioniert diese Auswahl erst, sobald die www- und die nicht-www-Version einer Website angemeldet sind, auch wenn sie vorher bereits angezeigt wird.

Website-EinstellungenDie Auswahlmöglichkeit findet sich unter dem Menüpunkt „Website-Einstellungen“, und der versteckt sich hinter dem Zahnradsymbol oben rechts im Dashboard der Webmaster-Tools – aber erst, nachdem eine der angemeldeten Websites in der allgemeinen Übersicht angeklickt worden ist. Die Festlegung der „bevorzugten Domain“ sollte für beide angemeldeten Website-Varianten vorgenommen werden. Welche Domain-Version als bevorzugte ausgewählt wird, spielt für das Suchmaschinen-Ranking übrigens keine Rolle.

Nach Abschluss dieser Prozedur wird Google beginnen, alle Seiten-URLs des nicht ausgewählten Formats aus dem Suchmaschinen-Index zu schmeißen (was Monate dauern kann). Alle Seiten der bevorzugten Domain profitieren hiervon. Sie erhalten nun Googles volle Aufmerksamkeit, die sie sich bisher mit ihren Spiegelbildern teilen mussten.

Hört sich gut an? Ist es eigentlich auch, aber nur in Bezug zu Googles Suchmaschine! Selbstverständlich wissen Bing, Yandex, DuckDuckGo, MetaGer usw. nichts von den Einstellungen in den Google-Tools. Daher meine Empfehlung: Nutze ein modernes Content-Management-System wie beispielsweise WordPress. Diese regeln das Problem nämlich auf eine Suchmaschinen-übergreifende Art und Weise und vollautomatisch – mit Hilfe sogenannter Canonicals in Kombination mit sogenannten 301er-Weiterleitungen von den jeweils nicht gewünschten zu den bevorzugten Seiten-URLs. Eine Anmeldung unterschiedlicher Adress-Varianten und die Festlegung einer bevorzugten Domain in den Webmaster-Tools ist dadurch überflüssig – es gibt dann nämlich gar keine Varianten.

WordPress-Adresse festlegen
In den Einstellungen von WordPress lässt sich der kanonische URL der Homepage festlegen. Nach Maßgabe dieser Angabe wird in jede Unterseite des Projekts ein <link rel=’canonical‘ href=“…“> gesetzt, der Suchmaschinen auf die zu indexierende Seiten-Adresse hinweist. 301er Redirects sorgen zudem dafür, dass bei Aufruf einer ‚falschen‘ Adresse zur jeweils gewünschten weitergleitet wird. Bei Aufruf von z. B. www.journalismus-plus.de wird automatisch auf die Version ohne www umgeleitet.

3. Select target country – Zielgebiet markieren

"Choose country"„Set your geographic preference if your site targets users in a specific country.“

Um es vorwegzunehmen, Websites mit länderspezifischen Top-Level-Domains (TLDs) wie zum Beispiel .de, .at oder .ch werden automatisch dem entsprechenden Land zugeordnet, eine Änderung über die Webmaster-Tools ist nicht möglich.

Interessant ist diese Einstellung, die sich in den Tools unter Suchanfragen -> Internationale Ausrichtung findet, nur für sogenannte generische TLDs. Welche Domain-Endungen Google hierzu zählt, wird übersichtlich aufgelistet unter „Domains, die eine geografische Ausrichtung ermöglichen“. Die Liste hingt der Realität allerdings hinterher, beispielsweise fehlt die recht frische gTLD .xyz, so dass bei der Flut an neuen Domain-Endungen selbstständiges Nachdenken helfen kann (.berlin, .koeln und .sauerland werden von Google sicherlich als länderspezifisch eingestuft werden; .sex .crime and .rocknroll vermutlich nicht).

"Internationale Ausrichutng"
Domains mit .de-Endung werden automatisch dem Zielland Deutschland zugeordnet. Änderungen sind nicht möglich. Länderspezifische Domain-Endungen sind daher recht ungeeignet, um ein internationales Publikum über die Google-Suche anzusprechen. Andererseits sorgt die Einstellung unter „Sprache“ dafür, dass zum Beispiel auch Suchende aus Österreich und der Schweiz deutschsprachige .de-Seiten zu Gesicht bekommen, entsprechende Spracheinstellungen in ihrem Browser oder der Suchseite vorausgesetzt.

Ist die Ausrichtung und damit Beschränkung einer Website auf eine bestimmte Region bzw. ein Land überhaupt sinnvoll? Warum soll ich denn den potentiellen Besucherstrom freiwillig kanalisieren, eingrenzen? Tatsächlich mag das zunächst widersinnig klingen, wird doch häufig der Erfolg eines Webprojekts in direkten Zusammenhang mit der Höhe der Besucherzahlen gesetzt. Eine schlüssige Antwort lässt sich immer nur für eine konkrete Website (oder auch für einen speziellen Website-Bereich) geben. Als Anregung hier nur eine von vielen möglichen Überlegungen:

Besucher einer Website, deren Erwartungen nicht erfüllt werden, nützen einer Unternehmung wenig. Vielleicht klicken sie sich eine Zeit lang irritiert durch das Seitenangebot und belasten damit unnötig den Server. Vielleicht aber springen sie auch schnell zurück zur Google-Suche, von der sie gekommen sind. Und das kann sich zu einem Problem entwickeln. Google registriert solche Rücksprungraten und zieht schließlich Konsequenzen aus signifikant hohen „Bounce Rates“. Die Seiten werden im Ranking zurückgestuft, möglicherweise website-weit, vielleicht ohne Rücksicht auf länderspezifische Befindlichkeiten. Ein regionaler Filter hätte hier gezielt vorbeugen können.

4. Share access with co-workers – Zugriffsberechtigungen einrichten

"Manage site users"„If you want other people to access your reports, you can add different access levels.“

"Nutzer hinzufügen"Im jeweiligen Website-Dashboard verbirgt sich hinter dem Zahnrad-Symbol (oben rechts) unter anderem der Menüpunkt „Nutzer & Website-Inhaber“. Diese Funktion stellt eine Benutzerverwaltung dar, mit der Zugriffsberechtigungen hinzugefügt und entfernt sowie eingeschränkt werden können. Eine Gegenüberstellung der einzelnen Rollen/Berechtigungen findet sich hier: „Zugriffsrechte für Ihr Konto verwalten“.

Unter anderem ist es hierdurch möglich, einen zusätzlichen Website-Inhaber zu bestimmen. Dieser kann anschließend die Website seinem eigenen Webmaster-Tools-Konto hinzufügen. Das Verifizieren der Website-Inhaberschaft ist hierbei nicht nötig, der Nachweis ist durch das Definieren der Inhaber-Rolle durch den ursprünglichen Inhaber bereits erbracht. Das bedeutet aber auch, dass der ursprüngliche Inhaber die Zugriffsberechtigungen für andere Personen, auch für zusätzliche Website-Inhaber, jederzeit wieder entziehen kann. Und: Wenn der ursprüngliche Inhaber über die Benutzerverwaltung entfernt wird, verlieren automatisch auch alle anderen Inhaber ihre Zugriffsberechtigungen. Ein Wechsel der Inhaberschaft (zum Beispiel beim Verkauf der Website) ist über die Benutzerverwaltung innerhalb der Webmaster-Tools also nicht möglich.

5. Submit a sitemap file – eine Sitemap einreichen

"Submit a sitemap"„This helps Google better understand how to crawl your site.“

Mit „Google Sitemaps“ startete die Geschichte der Webmaster-Tools. Als eines unter vielen Werkzeugen findet sich der Menüpunkt heute unter Crawling -> Sitemaps. Dort lässt sich solch eine Linkliste mit den URLs zu den Einzelseiten eines Webprojekts, zu Bildern, Videos usw. für den Suchindex anmelden – in der Hoffnung, dass die Suchmaschine diese Vorschläge berücksichtigt. Eine Garantie gibt es nicht. Immerhin lässt sich hierdurch sicherstellen, dass alle relevanten Inhalte verlinkt und dadurch für die Suchmaschinen-Crawler überhaupt auffindbar sind. Außerdem erhält Google hierdurch zeitnah eine Nachricht, wenn neue Seiten hinzugekommen sind oder bestehende aktualisiert wurden.

Solche eine Linksammlung, eine Art Inhaltsverzeichnis der Website, lässt sich im Prinzip manuell erstellen. Das hierzu von Google gewünschte und von weiteren Suchmaschinen akzeptierte Format wird auf sitemaps.org erläutert. Komfortabler ist es, eine Sitemap automatisch generieren zu lassen. Für WordPress eignet sich hierzu das SEO-Plugin von Joost de Valk, um nur ein Beispiel unter vielen zu nennen.

"Inhalte der Sitemaps"
Die Webmaster-Tools zeigen an, wieviele Website-URLs eingereicht und wieviele davon in den Suchindex aufgenommen wurden. Differenzen sind hier durchaus üblich. Stellen sich über einen längeren Zeitraum größere Abweichungen zwischen vorgeschlagenen und indexierten URLs ein, ist Ursachenforschung ratsam.


Teil 1: Geschichtliche Entwicklung und Zweck der Webmaster-Tools
Teil 2: Anmelden in den Webmaster-Tools und Verifizieren einer Website
Teil 3: Erste Schritte – „Improve the search presence of …“
Teil 4: Erste Einblicke – die Suchanfragen-Diagramme


5 Gedanken zu „Google Webmaster-Tools – eine Einführung

  1. Hallo,
    sehr hilfreicher Artikel. Danke dafür.

    Ich hatte ebenfalls die Nachricht Improve the search presence of … und wusste nicht das ich die gleiche Seite nochmal anlegen muss. In meinem Fall eben ohne www.

    Was ich mich jetzt allerdings Frage. Warum zeigt es bei anderen Seiten die ich betreibe nicht an?

    Alle Seiten werden mit Wordpress umgesetzt. Und auch die Allgemeinen Einstellungen bestimmen die richtige URL.

    Gruß
    Manuel

    1. Hi Manuel,
      die Nachricht erscheint seit einiger Zeit bei neu angemeldeten Websites, nicht nachträglich bei Seiten, die länger schon in den Webmaster-Tools eingetragen sind. Allerdings sind es ja allgemeine Empfehlungen, die grundsätzlich auf alle Sites anwendbar sind – wobei das im Einzelfall zu prüfen ist! Wenn Du, wie Du schreibst, WordPress benutzt, ist die Anmeldung der Varianten mit www und ohne schlicht und einfach überflüssig! (Google überprüft das nicht, sondern versendet einfach an alle neu hinzugekommenen diese allgemein gehaltenen Empfehlungen, immer im selben Wortlaut).

  2. Hallo Ralf,

    ich habe die Meldung von Google ca. zwei Monate ignoriert. Dann merkte ich einen Abfall in den Rankinkgs um 20 Plätze.

    Ich vermute das Google nun double Content gefunden hat und mich deswegen „bestraft“

    Ich habe nun wie von Google gewollt, die Seite nochmal angelegt.

    Bleibt nun abzuwarten ob sich die Rankings wieder verbessern.

    Wenn ja dann vertraue ich lieber nicht nur auf die Tatsache das ich WP nutze.

    Dann sollte man dem Google Anliegen wohl auch mit WP nachkommen.

    1. Hallo Manuel,
      das lässt sich ganz einfach testen durch eine Site-Abfrage bei google.de -> site:DeineDomain.de eingeben und gucken, ob tatsächlich Seiten mit www und ohne indexiert sind.
      Aber wie gesagt, WordPress reguliert das selbstständig. Falls doch was schief gelaufen ist, kann das nur an seltsamen Plugins oder Themes liegen (ist bei mir noch nicht vorgekommen). In diesem Fall solltest Du das Problem dort lösen, wo es entsteht – nicht nur über die WMT nachträglich regulieren.

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