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WordPress: Beiträge versus Seiten

Während eine erste technische Einarbeitung in das Content-Management-System WordPress unproblematisch ist – die Bedienung zumindest der wichtigsten Funktionen innerhalb der Administrationsoberfläche sollte selbsterklärend sein -, stellt sich spätestens bei der strukturellen oder inhaltlichen Planung eines konkreten Projekts die Frage: Warum bietet mir WordPress zwei konzeptionell offenbar unterschiedliche Inhaltstypen an? Was unterscheidet ‚Beiträge‘ von ‚Seiten‘?

Beitrag oder Seite
Um Inhalte zu erstellen, bietet WordPress im Backend zwei Möglichkeiten an: Seiten oder Beiträge.
An meine Anfänge mit WordPress erinnere ich mich noch gut – jedenfalls an ein Problem, dass mich zunächst von einer produktiven Arbeit mit diesem Publishing-System abhielt: Der Unterschied zwischen Beiträgen (Posts) und Seiten (Pages). Die Testinstallation auf dem eigenen Computer war problemlos verlaufen. Das Backend machte einen aufgeräumten Eindruck – im Vergleich beispielsweise zu Shopsystemen wie Oxid und Shopware oder Content-Management-Systemen wie Joomla oder exotischen Varianten, mit denen ich bis dato gearbeitet hatte. Eine offenbar systematische Unterscheidung zwischen zwei Veröffentlichungsarten aber kannte ich damals noch nicht.

Verwirrende Gegenüberstellung von statisch und dynamisch

Die Recherche im Netz brachte eine unbefriedigende Antwort: WordPress-Seiten (Pages) seien eher statisch und daher für Dinge wie „Impressum“, „Kontakt“, „Über uns“ zuständig, WordPress-Beiträge hingegen tendenziell dynamisch und darum irgendwie für alles andere, also für alles ’nicht-statische‘, verantwortlich. Und statisch sei beispielsweise ein Impressum, ließ sich als Erläuterung noch finden, weil die dort hinterlegte Anbieterkennung ja selten(er) geändert werden müsse.

Diese wirren Erklärungsversuche hatten ihren Ursprung vermutlich im Codex von wordpress.org: Die dortigen Support-Informationen zum Konzept ‚Pages‘ hatten den Begriff „static“ ins Spiel gebracht, das Gegenkonzept ‚Posts‘ musste daher „dynamic“ sein. Und die Übersetzer und Interpreten der damals noch rudimentären Codex-Erläuterungen brachten dann diese Polarisierung statisch contra dynamisch in Verbindung mit den Inhalten von Seiten und Beiträgen, was die Verwirrung komplettierte.

Inzwischen ringt der WordPress-Codex um eine Art Klarstellung – oder doch eher um einen Kompromiss. In dem Bemühen, auf einer technischen Ebene dem Page-Konzept seinen dynamischen Charakter zurückzugeben, wird den Inhalten (Informationen) nun tatsächlich eine statische Eigenschaft zugebilligt, um dann auch noch den Begriff ‚pseudo-statisch‘ in die Diskussion zu werfen. Hilfreich ist das nicht.

„Despite the dynamic nature of Pages, many people refer to them as being static. They are actually called ‚pseudo-static‘ web pages. In other words, a Page contains static information but is generated dynamically. Thus, either ’static,‘ ‚dynamic,‘ or ‚pseudo-static‘ may be validly used to describe the nature of the WordPress Page feature.“

Dennoch: Für das Verständnis des Mechanismus‘, der sich hinter der Funktion ‚Seite‘ verbirgt, und um die Eigenarten von Seiten (Pages) und Beiträgen in WordPress voneinander abzugrenzen, ist eine Gegenüberstellung von statisch versus dynamisch hilfreich – solange sie nicht auf Inhalte, sondern auf Positionen angewendet wird.

Das dynamische Positionieren von Beiträgen

Einstellungen eines WP-Beitrags
Beim Erstellen eines Beitrags lässt sich das Veröffentlichungsdatum festlegen. Auch das Datum bereits veröffentlichter Beiträge lässt sich im Nachhinein ändern.
WordPress wurde ursprünglich als reines Blogging-System entwickelt. Unterschiedliche Inhaltstypen gab es zu Beginn nicht. Beitragsinhalte egal welcher Art wurden daher mit dem Erstellungs- oder Veröffentlichungsdatum versehen, um nach Maßgabe dieses Zeitstempels auf den Übersichtsseiten dann, beim Aufruf der Website, in umgekehrt chronologischer Reihenfolge aufgelistet zu werden.

Dieses Ordnungsprinzip hat sich bis heute nicht geändert. Der zuletzt veröffentlichte Beitrag erscheint – zumindest in einer Standardkonfiguration der meisten Themes – weiterhin an oberster Position der Beitragsliste. Und er verbleibt dort, bis ein neuer Beitrag mit aktuellerem Datum ihn von dieser Position verdrängt. In diesem Sinn sind Beiträge tatsächlich dynamisch: Ihre Stelle und damit gewissermaßen auch ihr Stellenwert ändern sich. Automatisiert und in Abhängigkeit von der zeitlichen Priorisierung neuerer Beiträge verändern sich die Positionen am Bildschirm, bis schließlich ein Beitrag ins Archiv rutscht und so von der ersten Darstellungsseite verschwindet. Aktualität ist hier grundlegendes Prinzip.

Semantische Strukturierung von Beiträgen

WordPress-Kategorien (Beispiel)
In WordPress angelegte Kategorien inkl. Unterkategorien.
Die Auflistung aller Artikel in Form einer Beitragschronik ist das typische Merkmal eines Weblog-Systems. Ausschließlich mit dieser simplen Sortierfunktion lässt sich allerdings kaum mehr generieren als ein digitales Tagebuch oder Logbuch. WordPress bietet daher Strukturierungsmöglichkeiten, mit deren Hilfe thematisch-inhaltlich orientierte Teilmengen von Beiträgen gebildet werden können: die sogenannten Taxonomien.

Mit den Taxonomien lassen sich Auswahlen von Beiträgen definieren, indem Beiträge einer Kategorie oder mehreren Kategorien und/oder Schlagwörtern zugeordnet werden. Bei Aufruf eines Kategorie-Terms oder eines konkreten Stichworts kommt dann wieder das chronologische Rangprinzip zum Zuge: Die zugehörigen Beiträge werden nach Maßgabe ihres Veröffentlichungsdatums geordnet aufgelistet.

Der Haupt-Zeitstrang aller Beiträge lässt sich also mit Hilfe der Kategorisierung und der Verschlagwortung unterteilen in einzelne Themenstränge. Dem zeitlichen Sortierprinzip werden dadurch semantische Strukturierungsmöglichkeiten übergeordnet.

Das manuelle Fixieren von Seiten

Im Frühjahr 2005 wurde mit Veröffentlichung der WordPress-Version 1.5 der Inhaltstyp ‚Seite‘ bzw. ‚Page‘ eingeführt und dem bisherigen Konzept ‚Beitrag‘ als Alternative zur Seite gestellt. Der wichtigste Unterschied: Texte/Inhalte, die als Seite angelegt werden, werden nicht in die Beitragschronik aufgenommen, werden daher auch nicht dynamisch positioniert – sie werden zunächst einmal überhaupt nicht angezeigt, nicht einmal verlinkt.

Im Gegensatz zu einem Beitrag ist eine Seite also insofern statisch, als sie sich der dynamischen und automatisierten Präsentation innerhalb des Frontends entzieht. Sie muss, um für einen Besucher der Website per Link erreichbar und damit sichtbar zu sein, aktiv eingebunden werden. Dadurch wird ihr ein fester Platz innerhalb des Theme-Layouts zugewiesen – sie wird fixiert.

Möglich ist dies beispielsweise durch Ziehen des Seiten-Widgets in eine Sidebar oder den Footer-Bereich eines Themes (im Backend unter Design -> Widgets). Hiermit werden innerhalb dieses Widget-Bereichs die verlinkten Überschriften aller WordPress-Seiten angezeigt. Eleganter ist es, ausgewählte Seiten einem Menü zuzuordnen (unter Design -> Menüs). Das Menü muss dann seinerseits einer vorgegebenen Menü-Position innerhalb eines Themes zugewiesen werden, um eingeblendet zu werden.

WordPress-Menüstruktur (Beispiel)
WordPress-Seiten (Pages) lassen sich sehr einfach in ein Menü einfügen und dort ordnen. Das WordPress-Theme „Twenty Thirteen“ zum Beispiel zeigt im Frontend dann ein Dropdown-Menü an.

Durch die Einblendung von Seiten mittels Seiten-Widget oder mit Hilfe eines Menüs werden die Seitenüberschriften mit Link zum vollständigen Seitentext in der Regel website-weit sichtbar, soll heißen: Egal, welcher URL einer Website aufgerufen wird, stets wird das Hauptmenü oben, das Seiten-Widget links oder rechts, das Menü im Footer unten angezeigt – und damit auch alle zugehörigen Seitenverlinkungen (um plakativ zu sprechen; dieses verbreitete Layoutprinzip hängt allerdings vom Theme ab). Ob also journalismus-plus.de/rubrik/generieren/ oder journalismus-plus.de/stichwort/wordpress/ aufgerufen wird, auf das als Seite angelegte und in das Footer-Menü integrierte Impressum wird stets unten rechts verwiesen (verlinkt). Die jeweils aufgelisteten Beiträge hingegen variieren.

Quintessenz

Es lohnt sich, bereits beim thematisch-inhaltlichen Entwurf einer Website die unterschiedlichen Funktionalitäten von Seiten (Pages) und Beiträgen (Posts) zu berücksichtigen. Zwar lassen sich durchs Umprogrammieren im Prinzip alle typischen Eigenarten der zwei Inhaltstypen ändern. Und vielleicht findet sich bei der Unmenge an WordPress-Themes auch das ein oder andere, das entsprechende Anpassungen bereits bietet. Ein ohne jedes Konzept ins Netz geworfenes Sammelsurium von Inhalten aber bereitet spätestens dann erhebliche Schwierigkeiten, wenn im Nachhinein Ordnung ins unstrukturierte Chaos gebracht werden soll. Dann können weder Themes noch Programmieren weiterhelfen, dann ist aufwendige Handarbeit gefragt. Darum: Vordenken ist besser als Nacharbeiten.

3 Gedanken zu „WordPress: Beiträge versus Seiten

  1. Interessanter Beitrag sowie viele andere, aber irgend wie bringt mich das alle nicht weiter, ich bin eher dabei eine Websteiten zu Realisieren und finde das Seiten viel besser als Beiträge geeignet sind. Mich stört es aber das man Seiten nicht mit Tags ect. versehen kann.

  2. Danke für den lesenswerten Beitrag. Und vor allem auch Danke an Michael für den Link zum Page-Tagger. Den werden wir im Texterclub gleich ausprobieren.

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